Tag der Heimat
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Sehr geehrter Herr Hoffmann, sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Einladung! Es ist mir wieder eine große Freude, heute bei Ihnen sein zu können und ein paar Sätze anlässlich des Tags der Heimat an Sie zu richten. Der Bürgermeister der Stadt Vacha, Herr Martin Müller, ist diesmal leider verhindert. Er hat mir aufgetragen, seine herzlichen Grüße auszurichten und auch einen Umschlag von ihm zu überreichen, was ich gern mache.

Statt Martin Müller habe ich einen anderen Martin mitgebracht. Die meisten von Ihnen werden Martin Henkel als Bürgermeister der Stadt Geisa bereits gut kennen. Martin Henkel tritt bei der Landtagswahl im Oktober als Direktkandidat der CDU hier im südlichen Wartburgkreis und damit als mein Nachfolger an. Er hat meine volle Unterstützung, und ich hoffe, er kann auch mit Ihrer Unterstützung rechnen. Sicher wird er sich Ihnen gern im Anschluss vorstellen, wenn Sie ihn lassen.

Doch zuvor möchte ich noch ein paar Worte an Sie richten. „Menschenrechte und Verständigung – für Frieden in Europa“ – so lautet das Motto des diesjährigen Tags der Heimat. Es klingt so einfach und selbstverständlich. Doch die Geschichte lehrt uns das Gegenteil. Vor nunmehr 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg, der eine bis dahin nicht gekannte Flucht- und Vertreibungswelle in Europa auslöste.

Der von Deutschland begonnene Krieg hatte den Tod vieler Millionen Menschen zur Folge und für viele bedeutete er auch den Verlust der Heimat. Er hatte zur Folge, dass Königsberg nicht mehr Königsberg heißt, Stettin, nicht mehr Stettin und Breslau nicht mehr Breslau. Zahllose Orte im tschechischen Teil des Erzgebirges verödeten, weil deren deutsche Bevölkerung vertrieben wurde. Die über 700-jährige deutsche Siedlungsgeschichte in Pommern, Preußen, Schlesien, dem Sudetenland und in weiteren Regionen ging damit vermeintlich zu Ende.

Das war Unrecht! Doch mit der Vertreibung hörte das Ihnen zugefügte Unrecht nicht auf. Vertreibung durfte in der DDR nicht Vertreibung heißen. „Umsiedler“ so die verharmlosende Bezeichnung, ist Ihnen sicherlich noch allen Im Ohr. Hinzu kam, dass es den Vertriebenen in der DDR nicht möglich war, sich zu organisieren. Das holten Sie erst mit dem Mauerfall und der friedlichen Revolution vor nun schon dreißig Jahren nach.

Und heute? Ist alles in Ordnung? Haben die Menschen gelernt aus der Geschichte? Ich will nicht mit einem pessimistischen Ausblick enden, aber mit mahnenden Worten. Großbritannien wird in Kürze die EU verlassen. Man ist der Meinung, es allein besser zu können. Polen überlegt ernsthaft, von Deutschland Reparationszahlungen in dreistelliger Milliardenhöhe zu fordern. Dass Deutschland unfassbares Leid über die polnische Bevölkerung gebracht hat, ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist aber auch, dass Polen mit deutschen Gebieten entschädigt wurde und im Zuge dessen Millionen Deutsche entschädigungslos und mitunter gewaltsam vertrieben wurden.

Ich glaube nicht, dass uns solche Forderungen und nationalen Alleingänge in Europa weiterbringen. Verständigung mit den Nachbarn und gegenseitiger Respekt, das sind die Grundlagen für ein friedliches und starkes Europa, das die Menschenrechte verteidigen kann. Dies sollte die Grundlage jeden politischen Handelns sein und auch im Umgang von Mensch zu Mensch.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich komme zum Ende meines Grußwortes. Heute verabschiede ich mich von Ihnen in meiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter, in der Hoffnung, dass Sie auch meinem Nachfolger so verbunden sein werden, wie Sie es mir gegenüber immer waren. Über Ihre Einladungen zum Tag der Heimat oder zur Adventszeit habe ich mich stets gefreut und, soweit es möglich war, auch wahrgenommen. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Gesundheit und für heute einen geselligen Nachmittag!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!